Mein Franken Blues

Der Sonntag, das ist bei uns ein ganz besonderer Tag. Da bleibt unsere Küche nämlich kalt. Mein Lieblingsfranke und ich reisen mit Schwägerin und Neffen kreuz und quer durch unsere fränkische Heimat und erleben Wirtshauskultur vom Feinsten. Wir genießen nach Herzenslust, was die heimische Küche zu bieten hat. Kein Restaurant und keine Gastwirtschaft in der Region ist sicher vor uns. Wir finden immer was. Jeden Sonntag. Hach, ich liebe es!

Wirtshauskultur in Franken: Ezadla moch mer Middooch

Die fränkische Küche ist einfach genial. Selberkochen ist halt nicht so meins. Und eben deshalb bin ich sowas von glücklich über die großartige Wirtshauskultur in Franken. So bleibt uns wenigstens ein gutes Essen in der Woche garantiert.

Du glaubst ja nicht, was wir uns da immer sputen müssen. Denn in Franken fängt der Mittagstisch bereits um viertelzwölfa (für Nichtfranken: viertelnachelf) an. Also akkurat nach dem Frühschoppen. Wer das nicht weiß, nun, der wird sich wundern. Die Wirtshäuser und Restaurants sind am Sonntagmittag nämlich rappelvoll. Da kann es gut sein, dass du auf der Stelle umdrehen musst, weil kein einziges freies Plätzchen mehr zu finden ist. 

Schnell, schneller, am schnellsten

Aber du kannst deinen Tisch ja auch schon montags reservieren. Sicher ist sicher. Es ist halt so, beim Sundoochsbroden (für Nichtfranken: Sonntagsbraten), da ist Schluss mit lustig. Selbst der gutmütigste Franke versteht da absolut keinen Spaß.

Wer aber glaubt, ein Franke sitzt lang rum beim Essen und genießt seine Leibspeis und sein Bierla, der sei eines Besseren belehrt. Ruckizucki ist der Teller blankgeputzt – ohne große Worte. Höchstens ein genussvoller „Grunzer“ lässt sich ab und an vernehmen. Ja, und dann schnell Mund abwischen, zahlen und nix wie ab nach Hause oder noch besser – ab ins Café zum „Kaffeetrinkenkuchenessen“. Puh, da gerätst du ganz schnell unter Stress. Doch positiver Stress ist bekanntlich ja gesund.

Wirtshauskultur in Franken

Regionale Unterschiede

Im Kulturkreis meiner ursprünglichen Heimat, da ist das ganz anders. Stundenlang sitzt man da im Restaurant beim Essen. Nimmt hin und wieder ein Gäbelchen mit mundgerechten Happen und plaudert ununterbrochen. ‚Waafn‘, so nennt man das in Franken. Jawoll! Und weil ich, die Neufränkin mit nationalem Migrationshintergrund, eine glühende Anhängerin der fränkischen Küche und der fränkischen Mentalität geworden bin, gleicht die Vorfreude auf das wöchentlich herbeigesehnte Ereignis auch schon fast einer emotionalen Explosion… Na dann, nix wie raus aus dem Bett und rein in die feinen Sonntagsklamotten. Schließlich ist der Tisch für halbzwölfa reserviert. Viertelzwölfa wäre vielleicht ein bisschen übertrieben. Finde ich. 

Wirtshauskultur in Franken

Viele Genusstipps findet ihr auch auf Genussregion Oberfranken. Schaut unbedingt noch in meine kulinarischen Empfehlungen 2018. Viel Spaß beim Stöbern!