Wanderlust

Ich mag keinen Sport. Das ist nicht mein Ding. Aber Tag für Tag mit meinem Hundemäuschen über die heimische Gemarkung zu laufen, das finde ich großartig. Ich liebe es. Was ich aber noch mehr liebe sind die Wanderungen mit meinem fränkischen Ehemann durch seine Heimat. Denn als “Nichtfränkin“ will ich ja schließlich wissen, wo es mich hin verschlagen hat, gell. Ich kenne ja längst noch nicht alles. Franken hat so viele sehenswerte Ecken, die nur darauf warten erkundet zu werden. Im ‚Wanderbuch Franken“ , dem Buchtipp von Linda, habe ich mehrere Routen gefunden, die uns gefallen und die wir nun so nach und nach erwandern wollen. Die erste Tour führt uns „Von Vierzehnheiligen zum Staffelberg“. Wenn ihr mögt, kommt mit und begleitet uns auf einen ganz besonderen Weg.

Der Staffelberg

Den Wallfahrtsort Vierzehnheiligen kennen wir gut. Nicht aber die Route, die ausgehend von Vierzehnheiligen über den fränkischen Jakobsweg zum Staffelberg führt. Dem Berg der Franken. Die 11 km lange Wanderroute wurde von den Buchautoren Tassilo Wengel und Lisa und Wilfried Bahnmüller mit einem Stern versehen, der diesen Weg als „Highlight“ auszeichnet. Für uns hört sich das sehr vielversprechend an und wir sind gespannt was uns erwartet.

Die Basilika Vierzehnheiligen

Vierzehnheiligen

Um die Mittagszeit treffen wir auf dem Platz an der Basilika Vierzehnheiligen ein. Erhaben und prachtvoll thront die barocke Kirche inmitten des „Gottesgarten am Obermain“. Unter der Woche ist der Ort regelrecht verwaist. Denn erst an den Wochenenden strömen die Wallfahrer zahlreich herbei und erbitten in der Wallfahrtskirche den Schutz der vierzehn Nothelfer. 

Nachdem wir uns in der Kirche und auf dem Platz umgeschaut haben, gönnen wir uns im Gasthof „Goldener Hirsch“ ein leckeres Mittagessen. Des Göschla braucht ja schließlich auch awengla sei Bewegung gell! Und wandern ohne Einkehr, das geht nunmal gar nicht. Fränkische regionale Spezialitäten kann man hier genießen. Dazu ein Bier aus der Vierzehnheiligener Brauerei Trunk. Bereits seit 1458 besteht der Chronik nach die Gaststätte „Goldener Hirsch“. Damit bietet die Erzdiözese Bamberg den Wallfahrern ein rustikales Ambiente und eine wohlschmeckende Küche.

Auf dem fränkischen Jakobsweg

Wunderbar gestärkt brechen wir auf. Wir folgen der Beschilderung in Richtung Staffelberg. Und obwohl es heute morgen noch nach Regen aussah, haben wir jetzt richtig Glück. Die grauen Wolken weichen immer mehr der Sonne. 

Nicht ein einziges Regentröpfchen fällt vom Himmel. Das macht echt gute Laune! Wenn Engel reisen… oder wie war das noch?

Auf dem fränkischen Jakobsweg

Auf dem ersten Teil des Weges sind wir ganz allein unterwegs. Keine Menschenseele begegnet uns. Die Stille fühlt sich herrlich an. Fröhlich hüpft unser kleines Hundeschätzchen schnüffelnd, mal vor uns und mal hinter uns her. Dem Hund scheint die Einsamkeit des Weges zu gefallen. Genau wie uns. 

Nach unwegsamen Stufen und Geröll, was uns einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, sind wir auf der Ebene angekommen. Nun lassen wir uns von den wunderbaren Eindrücken links und rechts des Weges inspirieren. Jeder hängt den eigenen Gedanken nach. Das hat man nicht alle Tage und es tut gut.

Sich selbst ganz nahe kommen

Wenn man mal eine kleine Auszeit vom Alltag braucht, dann ist dieser Weg geradezu prädestiniert dazu. Er hat etwas Spirituelles. Unbeschreibliches. Bei jedem Schritt ist das zu spüren.

Der Weg ist das Ziel

Die visuellen Eindrücke sind überwältigend. Die Ursprünglichkeit der Natur ist atemberaubend. Und ich bekomme eine leise Ahnung davon, wie Menschen fühlen, die sich auf dem Jakobsweg befinden.

Der Weg ist das Ziel! Noch ehe wir auf dem Staffelberg ankommen, ist der Alltag vergessen. Ich wünschte fast, der Panoramaweg würde nie enden. Zeit und Raum sind nicht mehr wichtig.

Den Staffelberg mit der Adelgundiskapelle (von hier wirkt er höchstens wie eine kleine Erhebung) jetzt fest im Blick, fühle ich mich im Einklang mit der Natur. Ein gutes Gefühl.

Blick auf den Staffelberg von hinten

Jetzt ist das Ziel in greifbarer Nähe. Nur noch ein kleines Stück durch ein kleines Wäldchen steil bergauf, dann ist es geschafft! Wir stehen auf dem Staffelberg und werfen noch mal einen Blick zurück! 

Blick auf den Alten Staffelberg (links) und den Spitzberg (rechts)

Der Staffelberg

Zu unserer Überraschung präsentiert sich das Hochplateau völlig unspektakulär. Zu sehen ist die Staffelbergklause, die Adelgundiskapelle, Bäume und Wiese. Irgendwie alles ganz normal. Aber wir sind auch noch nicht auf dem höchsten Punkt des Berges angelangt. 

Adelgundiskapelle

Über einen schmalen Wiesenweg laufen wir zum felsigen Rand der Höhenplattform. Oh nein! Schnell klammere ich mich an die Hand meines Lieblingsfranken… damit habe ich nicht gerechnet. Es geht steil bergab in die Tiefe. Auweia! „Gott sei Dank, der Hund ist an der Leine“, kann ich nur noch flüstern. 

Der Gottesacker am Obermain

Ich kann gar nicht runter schauen. Mensch, ich hab doch Höhenangst. Also nix wie weg vom Abgrund.

Blick auf Bad Staffelstein

Ein grandioser Ausblick

Hier offenbart sich eine Schönheit, die sprachlos macht. Vor uns liegt der sogenannte „Gottesacker am Obermain“. In sicherer Entfernung stehe ich mit offenem Mund da und kann nur staunen.

Auf dem Felsplateau vom Staffelberg

Der Blick auf das weite Tal, mit seinen schmucken Ortschaften und auf das gegenüberliegende Kloster Banz ist atemberaubend. Wolken und Sonne tun ein Übriges. Dazu bläst ein kräftiger Wind. Das ständig wechselnde Schattenspiel – man möchte es festhalten! 

Kloster Banz

Bei einem kleinen Picknick genießen wir den umwerfenden Blick auf das Tal, dann machen wir uns auf den Rückweg.

 

Talwärts zurück nach Vierzehnheiligen

Zunächst geht es auf dem Rundweg steil abwärts Richtung Romansthal, bis zum Wanderparkplatz. Dort müssen wir ein kurzes Stück an der Straße entlanglaufen. Dann biegen wir auf den gekennzeichneten Waldweg ein, der uns zurück nach Vierzehnheiligen führt. So, jetzt können wir uns wieder herrlich entspannen. Denn nun geht es nur noch über Feldwege. Vorbei an Hecken, Wiesen und durch ein kleines Waldstück. 

Auf dem Rückweg nach Vierzehnheiligen

Ich hätte es mir denken können, langsam fangen meine Füße an zu schmerzen. Das hat mir gerade noch gefehlt. Das Hundemäuschen dagegen läuft tapfer mit ohne auch nur ein einziges Mal zu protestieren. 

Und dann – endlich können wir sie sehen: die Turmspitzen von Vierzehnheiligen. Meine kurzzeitige Motivationsflaute und die schmerzenden Füße sind vergessen. Schnellen Schrittes geht es weiter.  

Blick auf die Türme von Vierzehnheiligen

Über die Querverbindung bei Wolfsdorf bis zu den Treppenstufen, die uns zurück zur Basilika führen, ist es nicht mehr weit. Mei, die paar Stufen… mache ich mir Mut! Aber denkste! Denn jetzt wird es noch einmal so richtig anstrengend.

Wandern von Vierzehnheiligen zum Staffelberg

Die Stefferla (Stufen)

Anfangs sind die Stufen nicht der Rede wert. Aber dann wird es immer steiler und die Stufen gefühlt unüberwindbar. Der Lieblingsfranke hat sie gezählt: 108! Aber aufgeben? Nö, niemals. Hmm… eine andere Wahl habe ich wohl auch nicht. Also dann, Zähne zusammengebissen und durch.

Jetzt im April wächst links und rechts der Treppe massenhaft Bärlauch. Unglaublich! Richtige Teppiche sind das. 

Mariengrotte

Oh, wie schön, da ist die kleine Mariengrotte! Dann sind wir gleich am Ziel. Jetzt nur noch ein klein wenig durchhalten. Ah… ich kann den Ausstieg sehen. Vierzehnheiligen! Geschafft! Mein Herz macht einen Hüpfer. Ich bin so glücklich! Und mein Schatz und das ewig muntere Hündchen auch. 

Eine süße Belohnung

Die haben wir uns verdient. Beim Schlemmen plaudern wir über unsere Wegerfahrung. Fest steht: Diese Tour machen wir jederzeit wieder. Wir waren vier Stunden unterwegs und nicht eine Minute davon war zu viel: Die vielen Eindrücke und die Stille haben den Weg zu einem mentalen Erlebnis für uns werden lassen. Unser Tipp für die Wanderfreunde unter euch: Packt den Rucksack, zieht die Wanderschuhe an und macht euch auf von Vierzehnheiligen zum Staffelberg. Dann lasst euch von der atemberaubenden Landschaft in den Bann ziehen. 

Dankeschön!

Vielen Dank an die Autoren von „Das Wanderbuch Franken“. Die erste Wanderung, die wir gemacht haben, war großartig. Ihr habt uns sicher ans Ziel geführt. Nicht ein einziges Mal kamen wir in die Verlegenheit, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Super!

Ein herzliches Dankeschön geht auch an den J.Berg-Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.  

Mehr Information über die Wanderregion am Obermain erhaltet ihr über diesen Link

Also dann, ade und bis zum nächsten Mal.