Ja, warum eigentlich? Das kann mir ganz sicher meine Siebngscheida erklären. Aber denkste…
„Frag doch deine Leser, wenn du es unbedingt wissen willst“, gibt sie mir vorlaut zur Antwort. Na prima! Die Peinlichkeit will ich mir aber nicht geben. Echt. Also schnappe ich mir die Siebngscheida und auf geht’s, direkt in die Brauerei Schroll im oberfränkischen Reckendorf.

Tag des Bieres

Der Tag des Bieres: Der Braumeister erklärt es uns

Der Tag des Bieres erinnert jedes Jahr an die Einführung des Bayerischen Reinheitsgebots am 23. April 1516. In diesem Gebot sind die Zutaten für Bier genau festgeschrieben: Nur Hopfen, Malz und Wasser kommen in echtes bayerisches Bier. Für den Gärprozess kommt Hefe zum Einsatz. Das Reinheitsgebot hat deutschlandweit Gültigkeit.

„Uiii…, das bedeutet ja, dass seit 500 Jahren nur mit diesen Zutaten in Deutschland Bier hergestellt wird“, quiekt da die Siebngscheida ganz aufgeregt. „Aber… wie funktioniert Bierbrauen?“ Wo wir jetzt schon mal da sind, zeigt uns Braumeister Karl-Heinz Schroll, wie es geht.

Die Tradition des Hauses Schroll… 

… sie lässt sich bis ins Jahr 1750 zurück verfolgen. Der Klassiker ist ein dunkles Bier – Der Urtrunk. Abnehmer des leckeren Gerstensaftes sind private Kunden, einige andere Gasthäuser und kleinere Supermärkte in der Region. Doch mein Lieblingsfranke und ich sind ja nicht nur Fans des leckeren Bieres, auch vom Essen sind wir restlos begeistert. Sonntags kann man im urigen Gasthaus der Familie Schroll nämlich eine ausgezeichnete Fränkische Küche genießen. Traditionell und sehr lecker! Aber jetzt wollen wir ja wissen wie man Bier braut, gell… 

Ohne Malz kein Bier
Tag des Bieres

Der Braumeister mit einem Teller Malzschrot

Zuerst wird aus Braugerste Malz hergestellt. Dafür weicht man die Gerste in Wasser ein und lässt sie keimen. Das Ganze wird getrocknet – nun hat man Malz.

Im Sudhaus beginnt die Geschichte des Bieres
Tag des Bieres

Der Sudkessel

Den ersten Vorgang im Sudhaus nennt man maischen. Dabei wird geschrotetes Malz mit Wasser vermischt und bei 64 – 72 Grad erhitzt. Bei diesem Vorgang setzen Enzyme die Stärke im Malz in Malzzucker um. Man erhält die Würze – eine reine Malzzuckerlösung, die gekocht wird.

Tag des Bieres

Hopfenpellets für die Bitternote

Als weitere Zutat kommt für die „Bitternote“, der Hopfen in den Sud. Die Würze wird fertig gekocht und abgekühlt.

Aus der Würze wird ein Jungbier
Tag des Bieres

Die Gärtanks

In Gärtanks gefüllt, beginnt für die Würze unter Zugabe von Hefe der Gärprozess. Die konstante Temperatur dafür liegt bei 8,5 Grad. Acht Tage dauert es, bis die Hauptgärung beendet ist. Dann ist die Würze ein Jungbier. Nun wird das Jungbier über Schläuche in die Lagertanks geleitet. Die Hefe, die sich im Gärtank abgesetzt hat, in eine separate Wanne abgelassen und für den nächsten Sud gelagert.

Im Lagerkeller bekommt das Bier seine eigene Note
Tag des Bieres

Die Lagertanks

Das Jungbier gärt nun in den Lagertanks bei 5 Grad nach. Zucker der noch vorhanden ist, wird in Alkohol umgesetzt. Die Lagertanks stehen unter Druck. Das entstehende Kohlendioxid kann nicht mehr entweichen und wird als Kohlensäure im Bier gebunden. Durch eine Lagerung von drei bis vier Wochen erhält das Bier seine Reife und seinen endgültigen Geschmack.

Tag des Bieres

Links trübes Bier, rechts geklärtes Bier

Im letzten Vorgang wird das trübe Bier klar gefiltert und über Edelstahlrohre in die Abfüllstation geleitet. Hier wird es in Fässer und Flaschen abgefüllt. Vom Ansatz im Sudhaus bis zum fertigen Bier vergehen ungefähr sechs Wochen. 

Und jetzt steht sie da, meine Siebngscheida, mit leuchtenden Augen und offenem Mund und tut doch wirklich so, als wär es ihre ureigene Idee gewesen, das mit der Brauereibesichtigung. Also, da bist du doch glatt sowas von sprachlos.

Brauerei Gasthof Schroll I Hauptstraße 38 I 96182 Reckendorf I Telefon: 09544 20338 I Öffnungszeiten: Täglich ab 9 Uhr Donnerstag Ruhetag