Jedes Jahr am 23. April wird in Deutschland der “Tag des Bieres” begangen. Hm… aber was, frage ich mich, ist an Bier so besonders, dass ihm eine solche Ehre zuteil wird?  Da trifft es sich doch wirklich gut, dass ich in Oberfranken lebe. Denn die Region mit der weltweit größten Brauereidichte ist auch als Bierland bekannt und ein Paradies für Bierliebhaber. Bierwanderungen und Brauerei-Touren sind Programm. Wer könnte mir meine Frage nach dem “Tag des Bieres” nicht besser beantworten als ein fränkischer Braumeister. Dafür treffe ich mich mit Karl-Heinz Schroll in seiner Brauerei im oberfränkischen Reckendorf. 

Brauerei Schroll Reckendorf

Der Tag des Bieres: Der Braumeister erklärt es

“Der Tag des Bieres erinnert jedes Jahr an die Einführung des Bayerischen Reinheitsgebots am 23. April 1516″, erklärt mir der Braumeister Karl-Heinz Schroll.” In diesem Gebot sind die Zutaten für die Herstellung von Bier ganz genau festgeschrieben. In echtes bayerisches Bier kommen ausnahmslos:

  • Hopfen
  • Malz
  • Wasser

Für den Gärprozess kommt als vierte Zutat Hefe zum Einsatz. Die Hefe wurde im 19. Jahrhundert ins Reinheitsgebot aufgenommen, das deutschlandweit gilt.

“Hui, das bedeutet ja, dass seit mehr als 500 Jahren nur mit diesen Zutaten in Deutschland Bier gebraut wird und sich an der Rezeptur absolut nichts geändert hat”, staune ich. Das ist tatsächlich ein guter Grund diesen Tag zu würdigen. Zumal dem sehr beliebten alkoholischen Getränk auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit zugeschrieben wird. 

Brauerei Schroll

Die Tradition des Hauses Schroll 

Die Geschichte des Hauses lässt sich bis ins Jahr 1750 zurück verfolgen. Der Klassiker der Brauerei ist ein dunkles Bier – der “Urtrunk”. Abnehmer des leckeren Gerstensaftes sind private Kunden, einige andere Gasthäuser und kleinere Supermärkte in der Region. Aber es wird nicht nur gebraut. Im urigen Ambiente des Gasthauses kann man sonntags eine ausgezeichnete fränkische Küche genießen. Traditionell und sehr lecker. Wir kehren hier sehr gerne ein und genießen das leckere Essen und die Wirtshausatmospähre.

Aber zurück zum Thema. “Wie funktioniert denn nun das Bierbrauen?”, will ich wissen. Wo ich schon mal da bin, zeigt mir Karl-Heinz Schroll wie es geht.

Ohne Malz kein Bier

Ohne Malz kein Bier

Zuerst wird aus der Braugerste Malz hergestellt. Dafür muss die Gerste keimen. Sie wird für diesen Vorgang in Wasser eingeweicht. Wenn das Ganze getrocknet ist hat man Malz.

Im Sudhaus beginnt die Geschichte des Bieres

Sudkessel

Der erste Vorgang im Sudhaus wird maischen genannt. Dafür wird geschrotetes Malz mit Wasser vermischt und bei 64 – 72 Grad erhitzt. Bei diesem Vorgang setzen Enzyme die Stärke im Malz frei und wandeln sie in Malzzucker um. Das ist die Würze – eine reine Malzzuckerlösung, die gekocht wird.

Als weitere Zutat kommt für die “Bitternote”, der Hopfen in den Sud. Die Würze wird nun fertig gekocht und abgekühlt.

Aus der Würze wird ein Jungbier

Tag des Bieres

Für die Würze beginnt nun der Gärprozess unter Zugabe von Hefe in den Gärtanks. Die konstante Temperatur dafür liegt bei 8,5 Grad. Acht Tage dauert es, bis die Hauptgärung beendet ist. Dann ist die Würze ein Jungbier. Das Jungbier wird über Schläuche in die Lagertanks geleitet. Die Hefe, die sich im Gärtank abgesetzt hat, wird in eine separate Wanne abgelassen und für den nächsten Sud gelagert.

Im Lagerkeller bekommt das Bier seine eigene Note

Die Lagertanks

In den Lagertanks gärt das Jungbier bei 5 Grad nach. Der vorhandene Zucker setzt sich dabei in Alkohol um. Die Lagertanks stehen unter Druck und das entstehende Kohlendioxid kann nicht mehr entweichen. Es wird als Kohlensäure im Bier gebunden. Seine Reife und seinen endgültigen Geschmack erhält das Bier durch eine Lagerung von drei bis vier Wochen. 

Links trübes Bier, rechts geklärtes Bier

Im letzten Vorgang wird das trübe Bier (linkes Glas) klar gefiltert (rechtes Glas) und über Edelstahlrohre in die Abfüllstation geleitet. Hier wird es in Fässer und Flaschen abgefüllt. Vom Ansatz im Sudhaus bis zum fertigen Bier vergehen ungefähr sechs Wochen. 

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Und jetzt stehe ich da und kann nur staunen. So einfache Zutaten für ein komplexes Verfahren an dessen Ende ein süffiges Getränk steht. Das beeindruckt mich. Also ich weiß jetzt Bescheid. Vielen Dank, lieber Karl-Heinz für die Zeit, die du dir genommen hast, mir die Braukunst ein wenig näher zu bringen. Übrigens bin ich ein großer Fan des “Urtrunks” der Brauerei Schroll. Ich bin begeistert von seiner malzigen Note.

Brauerei Gasthof Schroll

Kontakt:
Hauptstr. 38, 96182 Reckendorf
Tel: 09544 20338
Öffnungszeiten: Täglich ab 9 Uhr
Donnerstag Ruhetag

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