Ich liebe Städte mit mittelalterlichem Charme. Da kann man nämlich so herrlich träumen, von längst vergangenen Zeiten, als alles noch eine Spur gemächlicher zuging. Ja, und wer wünscht sich das nicht? Null Hektik und null Stress. Ein faszinierender Gedanke, gell… Klar, war der Alltag damals kein Zuckerschlecken, da muss man sich absolut nix vormachen. Aber die Uhren drehten sich nun mal einen Ticken langsamer. Und wenn ich könnte, wie ich wollte, dann würde ich die Zeit doch glatt zurückdrehen. Ganz kurz nur… Denn auf die genialen technischen Errungenschaften, die uns das Leben heutzutage leichter machen, auf die will ich freilich nicht verzichten. Ist klar…

Rothenburg ob der Tauber

RothenburgRothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber…

… das ist so eine Stadt. Sie hat mein Herz im Sturm erobert. Die mittelfränkische Stadt ist ein echter Hingucker. Kleine mittelalterliche Gässchen laden zum Bummeln ein. Windschiefe Häuser, bunt und eng aneinander geschmiegt trotzen dem Zahn der Zeit. Ich ahne, wie sich das Leben vor Jahrhunderten abgespielt haben mag.

Glaubt mir, würde jetzt eine Pferdekutsche um die Ecke gerumpelt kommen, es würde mich nicht im Geringsten wundern. Und würde ein Bauer mit seinem Kuhgespann die enge Gasse blockieren, weil auf seinem Weg zum Markt ein Rad am Leiterwagen gebrochen ist. Und Mägde, mit prall gefüllten Körben auf dem Arm, lautstark schimpfen und die Nase rümpfen, ob der stinkenden Hinterlassenschaft der Kühe… Auch das würde mich nicht sonderlich in Erstaunen versetzen. Die historische Kulisse lässt das Treiben dieser Zeit in meiner Fantasie lebendig werden…

Rothenburg

Rothenburg ob der Tauber

Die Türme und die begehbare Stadtbefestigung sind Zeugen einer blühenden Vergangenheit. Unglaublich. Rothenburg ob der Tauber hat absolut nichts von seiner Ursprünglichkeit eingebüßt. Mit unserer Stadtführerin erkunden wir die Stadtmauer. Das historische Bauwerk wurde bereits Ende des 12. Jahrhunderts n.Chr. erbaut und erstreckt sich über mehr als vier Kilometer. Die Aussicht von der Mauer auf das Taubertal und die Altstadt ist einfach sensationell. Nichts aus unserer modernen, technisierten Welt trübt meinen Blick. Erst als wir die Mauer Richtung Altstadt verlassen, holt mich an einer Baustelle ein rot-weißes Absperrband wieder in die Realität zurück.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber

Ein Stück Stadtmauer kaufen?

Und noch eine Besonderheit hat Rothenburg ob der Tauber seinen Gästen zu bieten. Entlang der Stadtmauer befinden sich viele Tafeln mit Namen von Personen aus dem In- und Ausland. „Ja, was ist jetzt das?“, wundere ich mich. Von der Stadtführerin erfahren wir, dass Spender, die zum Erhalt der historischen Bauwerke Rothenburgs beitragen, einen Ehrenplatz erhalten. In Form einer Tafel. Mit Namen und Herkunft. Ja, cool! Also, wenn ihr ein Stück Stadtmauer erwerben wollt, über diesen Link erfahrt ihr mehr über die Spendenaktion:
https://www.rothenburg.de/tourismus/sehenswertes/spendenaktion-stadtmauer/

Rothenburg Rothenburg
Noch mehr Sehenswürdigkeiten…

Wenn ihr Rechtsgeschichte spannend findet, dann kommt ihr in Rothenburg ob der Tauber voll auf eure Kosten. Einen Besuch im „Mittelalterlichen Kriminalmuseum“ solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. In Europas einzigem Rechtskundemuseum erfahrt ihr alles über spektakuläre Kriminalfälle, die Hexenverfolgung, über Folter oder den Strafvollzug in früheren Zeiten. Whoohoo… gruuuselig…

Rothenburg ob der Tauber

Unsere Stadtführung endet auf  dem Herzstück Rothenburgs – dem Marktplatz. Und hier erleben wir ein Spektakel, das zu jeder vollen Stunde auf der Kunstuhr der Ratstrinkstube zu bewundern ist: Der „Meistertrunk“. Laut Überlieferung soll im Jahre 1631 der Bürgermeister seine Stadt und seine Bürger mit einem Trunk von 3 ¼ Liter Frankenwein vor der Zerstörung durch die Truppen des Feldherrn Tilly gerettet haben. Wenn ihr jetzt aber denkt, dass er dafür stundenlang Zeit hatte – Fehlanzeige! Die komplette Menge Wein musste er auf Ex trinken. So jedenfalls heißt es. Hei, wenn ich mir das vorstelle… Doch tatsächlich sollen die Rothenburger Bürgerinnen mit ihren Kinder den Feldherrn Tilly um Gnade für ihre Stadt angefleht haben. So, und ihr könnt jetzt glauben, was ihr wollt… sucht es euch aus.

Rothenburg ob der Tauber

Es gibt noch so viel zu entdecken in der historischen Stadt. Weitere Sehenswürdigkeiten findet ihr über diesen Link: https://www.rothenburg.de/tourismus/sehenswertes/museen/

Rothenburg ob der Tauber

Das „Pfannkuchen-Kuchl“

Eine Stadtführung, die macht hungrig. Ein leckeres Essen kommt da gerade recht. Das lassen wir uns im „Hotel Rappen“ schmecken, im hoteleigenen Restaurant „Pfannkuchen-Kuchl“.

Rothenburg ob der Tauber

Das „Rappen“ ist ein Haus mit Geschichte. Erstmals wurde das historische Gasthaus im Jahr 1603 erwähnt. In der damaligen Kaiserstadt bot es Reisenden samt ihren Pferden Unterkunft. Im Jahr 1706 erhielt der Rappen-Wirt eine weitere Funktion. Er wurde zum kaiserlichen Postwärter ernannt. Selbst als Rothenburg ob der Tauber im Jahre 1802 den Status der Reichsstadt verlor und Bayern zufiel, blieb der Glanz des geschichtsträchtigen Hauses erhalten. Die neu gegründete Miliz hielt vor dem „Rappen“ ihre jährliche Parade ab und dann wurde im Gasthaus mit Essen und Trinken gefeiert.

Rothenburg ob der Tauber

Ende des zweiten Weltkriegs wurde das „Rappen“ durch einen Bombenangriff erheblich beschädigt. Seinen jetzigen Zustand erhielten Hotel und Restaurant durch den Wiederaufbau im Laufe der letzten Jahrzehnte. Die Spezialitäten des Restaurants sind herzhafte oder süße Pfannkuchen. Also, wir gönnen uns etwas Herzhaftes. Wir lassen es uns munden und fühlen uns in dem urigen Gasthaus rundum wohl.

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