Ich liebe Städte mit mittelalterlichem Charme. Da kann man so herrlich von längst vergangenen Zeiten träumen, als alles noch eine Spur gemächlicher zuging. Ja, und wer wünscht sich das nicht: Null Hektik und null Stress? Ein faszinierender Gedanke, gell. Klar, war der Alltag damals kein Zuckerschlecken, da muss man sich absolut nix vormachen. Auch nicht im romantischen Rothenburg ob der Tauber. Aber die Uhren drehten sich nun mal einen Ticken langsamer. Und wenn ich könnte, wie ich wollte, dann würde ich die Zeit zurückdrehen. Ganz kurz nur. Denn auf die genialen technischen Errungenschaften, die uns das Leben heutzutage leichter machen, auf die will ich freilich nicht verzichten. Ist klar.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber…

… ist so eine Stadt die mein Herz im Sturm erobert hat. Die mittelfränkische Stadt im Norden Bayerns zwischen Heilbronn, Würzburg und Nürnberg ist ein echter Hingucker. Windschiefe Häuser, bunt und eng aneinander geschmiegt trotzen dem Zahn der Zeit. Obwohl das Wetter bei unserer Ankunft nicht so recht mitspielt, bin ich fasziniert von den kopfsteingepflasterten kleinen Gässchen, die trotz des Regens nichts von ihrem mittelalterlichen Flair eingebüßt haben. Man ahnt, wie sich das Leben vor Jahrhunderten hier abgespielt haben mag.

Glaubt mir, würde jetzt eine Pferdekutsche um die Ecke gerumpelt kommen, es würde mich nicht im Geringsten wundern. Und würde ein Bauer mit seinem Kuhgespann die enge Gasse blockieren, weil auf dem Weg zum Markt ein Rad an seinem Leiterwagen gebrochen ist. Und Mägde, mit prall gefüllten Körben auf dem Arm, lautstark schimpfend die Nase rümpfen, ob der stinkenden Hinterlassenschaft der Kühe. Auch das würde mich nicht sonderlich in Erstaunen versetzen. Gut, die vielen Touristen, die ebenfalls mit uns durch die Altstadt strömen, muss man für einen kurzen Moment ausblenden. Dennoch lässt die historische Kulisse das Treiben dieser Zeit in meiner Fantasie lebendig werden. Ich bin sicher, auch euch wird die romantische Kleinstadt in ihren Bann ziehen.

Rothenburg ob der Tauber

Die Türme und die begehbare Stadtbefestigung sind Zeugen einer blühenden Vergangenheit. Rothenburg ob der Tauber hat absolut nichts von seiner Ursprünglichkeit eingebüßt. Mit unserer Stadtführerin erkunden wir die Stadtmauer. Das historische Bauwerk wurde bereits Ende des 12. Jahrhunderts n.Chr. erbaut und erstreckt sich über mehr als vier Kilometer. Die Aussicht von der Mauer auf das Taubertal und die Altstadt ist einfach sensationell. Nichts aus unserer modernen, technisierten Welt trübt den Blick. Erst als wir die Mauer Richtung Altstadt verlassen, holt mich an einer Baustelle ein rot-weißes Absperrband wieder in die Realität zurück.

Blick über das Taubertal

Rothenburg ob der Tauber

Ein Stück Stadtmauer kaufen?

Und noch eine Besonderheit hat Rothenburg ob der Tauber seinen Gästen zu bieten. Entlang der Stadtmauer befinden sich viele Tafeln mit Namen von Personen aus dem In- und Ausland. „Ja, was ist jetzt das?“, wundere ich mich. Von der Stadtführerin erfahren wir, dass Spender, die zum Erhalt der historischen Bauwerke Rothenburgs beitragen, einen Ehrenplatz erhalten. In Form einer Tafel. Mit Namen und Herkunft. Ja, cool! Also, wenn ihr ein Stück Stadtmauer von Rothenburg ob der Tauber erwerben wollt, dann erfahrt ihr hier mehr über die Spendenaktion.

Stadttor in Rothenburg

Noch mehr Sehenswürdigkeiten

Wenn ihr Rechtsgeschichte spannend findet, dann kommt ihr in Rothenburg ob der Tauber voll auf eure Kosten. Einen Besuch im Mittelalterlichen Kriminalmuseum solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. In Europas einzigem Rechtskundemuseum erfahrt ihr alles über spektakuläre Kriminalfälle, die Hexenverfolgung, über Folter oder den Strafvollzug in früheren Zeiten. 

Pranger in Rothenburg

Unsere Stadtführung endet auf  dem Herzstück Rothenburgs – dem Marktplatz. Und hier erleben wir ein Spektakel, das zu jeder vollen Stunde auf der Kunstuhr der Ratstrinkstube zu bewundern ist: Der „Meistertrunk“. Laut Überlieferung soll im Jahre 1631 der Bürgermeister seine Stadt und seine Bürger mit einem Trunk von 3 ¼ Liter Frankenwein vor der Zerstörung durch die Truppen des Feldherrn Tilly gerettet haben. Wenn ihr jetzt aber denkt, dass er dafür stundenlang Zeit hatte – Fehlanzeige! Die komplette Menge Wein musste er auf Ex trinken. So jedenfalls heißt es. Uiuiui, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Tatsächlich aber soll es ganz anders verhalten haben. Da sollen nämlich die Bürgerinnen mit ihren Kinder den Feldherrn Tilly um Gnade für ihre Stadt angefleht und so die Zerstörung Rothenburgs verhindert haben. So, und ihr habt jetzt die Qual der Wahl und könnt  glauben, was ihr wollt. Sucht es euch aus.

Marktplatz

Es gibt noch so viel zu entdecken in der historischen Stadt Rothenburg ob der Tauber. 

Das „Pfannkuchen-Kuchl“

Eine Stadtführung macht hungrig. Ein leckeres Essen kommt da gerade recht. Das lassen wir uns im ‚Hotel Rappen‘ schmecken, im hoteleigenen Restaurant ‚Pfannkuchen-Kuchl‘.

Rothenburg ob der Tauber

Das ‚Rappen‘ ist ein Haus mit Geschichte. Erstmals wurde das historische Gasthaus im Jahr 1603 erwähnt. In der damaligen Kaiserstadt bot es Reisenden samt ihren Pferden Unterkunft. Im Jahr 1706 erhielt der Rappen-Wirt eine weitere Funktion. Er wurde zum kaiserlichen Postwärter ernannt. Selbst als Rothenburg ob der Tauber im Jahre 1802 den Status der Reichsstadt verlor und Bayern zufiel, blieb der Glanz des geschichtsträchtigen Hauses erhalten. Die neu gegründete Miliz hielt vor dem „Rappen“ ihre jährliche Parade ab und dann wurde im Gasthaus mit Essen und Trinken gefeiert.

Rothenburg ob der Tauber

Ende des zweiten Weltkriegs wurde das ‚Rappen‘ in Rothenburg ob der Tauber durch einen Bombenangriff erheblich beschädigt. Seinen jetzigen Zustand erhielten Hotel und Restaurant durch den Wiederaufbau im Laufe der letzten Jahrzehnte. Die Spezialitäten des Restaurants sind herzhafte oder süße Pfannkuchen. Wir gönnen uns etwas Herzhaftes und lassen es uns munden. In dem urigen Gasthaus fühlen wir uns rundum wohl.

Rothenburg ob der TauberRothenburg ob der Tauber