Ich mach mir die Welt, widdewidde… wie sie mir gefällt…“
(Astrid Lindgren – Pippi Langstrumpf)
Eine Türglocke wie im Tante-Emma-Laden begrüßt mich mit einem entzückenden Bimmelimmelim… Hey, so was gibt’s noch? Wann hab ich das das letzte Mal gehört? Ich bin sofort verzaubert von dem süßen Laden mit den bunten Retro Möbel! Mit meinem Schatz bin ich heute im Szeneviertel Gostenhof im mittelfränkischen Nürnberg. Der Tag ist so trüb, wie das Viertel selber. So jedenfalls hat es den Anschein. Denn dass sich ein Kleinod wie der Laden – Daisy van Ghosty – hinter den mit Graffiti besprühten Mauern verbirgt, also das hätte ich mir nie und nimmer träumen lassen.

Retro Möbel

So bunt wie die Haare von Chefin Sandy Senft, so bunt ist auch ihr Laden. Pastellige Wände, Plüschmöbel, Interieur, das an vergangene Zeiten erinnert und gaaaanz viel Nippes, Secondhand und Schmuck lassen mein Herz höher schlagen. Wie cool! Sandy will nur noch zwei Kundinnen zur Tür begleiten, dann ist sie für mich da. Uiuiui, und so wie die beiden Damen um die Wette strahlen, war ihr Besuch im Laden sehr erfolgreich.

Retro Möbel

Sandy hat ein lustiges Funkeln in den Augen. Sie ist tough. Außergewöhnlich. Witzig. Jemand der sich in keine Schablone pressen lässt. Hey, wie das sommersprossige Mädchen aus Schweden, schießt es mir durch den Kopf. Genüsslich lasse ich mich auf einem Plüschsofa nieder. So schööööön!

Retro Möbel

Mit Retro Möbel in Erinnerungen schwelgen

Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. Genau so was hatten wir nämlich auch. Bei uns gab es dazu sogar noch einen höhenverstellbaren Tisch mit einer Kurbel. Damit wurde die perfekte Höhe eingestellt. Das waren noch Zeiten. Ich genieße es inmitten des bunten Retro-Mix zu sitzen. Aber ehrlich gesagt, für mich wäre das nichts. Bei allem alten Charme, den die Möbel ausstrahlen, aber, ich hatte das ja schon, gell.

Retro Möbel

Sagt mal, wer sind eigentlich die Leute, die sich Retro Möbel ins Wohnzimmer stellen?“, will ich von Sandy und ihrem Mann Sebastian wissen. Das Paar betreibt das Geschäft gemeinsam. „Unsere Kunden sind hauptsächlich junge Leute Anfang 20“, erklärt mir Sandy, „die finden diesen Style voll cool“. Nicht wegwerfen, ist die Devise – sondern einem Schmuckstück mit Vergangenheit neuen Glanz verleihen. Ein Lieblingsstück sozusagen. Der Mix macht’s. Sogar Szene-Cafés hat das sympathische Ehepaar schon mit seinen Möbel ausgestattet.

Retro Möbel

Dabei fing alles ganz harmlos an.

Für die neue Wohnung waren Sandy und Sebastian auf der Suche nach einer alten Spiegelkommode. In einer Haushaltsauflösung wurden sie fündig. Ob sie noch irgend etwas gebrauchen könnten, wurden sie dort gefragt, ansonsten würde alles, was noch in der Wohnung steht in den Container wandern. „Wir haben dann einfach, was in unser Auto passte, rein geladen“, erzählt die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation schmunzelnd. „Die Dinge, die wir für unsere Wohnung nicht gebrauchen konnten, haben wir an Freunde verschenkt. Was am Ende übrig blieb, haben wir dann online gestellt. Und zack – war das Zeugs weg“.

Retro Möbel

Auch bei den nächsten Haushaltsauflösungen haben sie es so gehalten – denn ihre Wohnung war ja noch nicht komplett. Nachdem sie mehrmals Möbel online gestellt hatten, kamen immer öfter Nachfragen. Der Anfang von – Daisy van Ghosty – war gemacht. Sandy und Sebastian haben das Geschäft „lowbudgetmäßig“ begonnen. Ohne Kredite. Glücklicherweise war die jetzige Ladenfläche schon Teil der Wohnung. Sie diente dem jungen Paar anfangs als Esszimmer. Tja, vorbei. Denn das musste nun den aufpolierten Retro Möbel weichen. Und dann wurde das Gewerbe angemeldet. Fertig… Wie erfrischend spontan – und mutig!

Retro Möbel

Ein absolutes No-Go…

Nehmt ihr alles mit, was euch angeboten wird?“, will ich wissen. „Nein. Aber wir gehen an die Möbelauswahl sehr emotional ran“. Das nehme ich der empathischen jungen Frau direkt ab. Sie haben mittlerweile ein Gespür dafür entwickelt… „Wir sind, was die Retro Möbel angeht, sehr offen. Aber eins geht gar nicht!“, dabei schüttelt Sebastian ganz vehement mit dem Kopf: Ein KACHELCOUCHTISCH!!! Bis jetzt fahren wir ganz gut mit unserem Konzept. Wir haben keine Lagerleichen. Unsere Sachen kann sich wirklich jeder leisten. Wir machen Upcycling. Wir verkaufen keine Designerware“.

Retro Möbel

Wenn wir eine Idee haben – wumms, dann wird die ausprobiert. So wie mit unserem Candy-Bar-Wagen. Das ist ein original Zirkuswagen aus dem Jahr 1890. Den haben wir in Luxemburg gekauft“. „Whoaaaa… ist der Wagen toll!“, jetzt kann ich meine Begeisterung kaum noch zurückhalten. „Wir haben ihn mühevoll restauriert und umgestrichen“, erzählt Sandy. „Jetzt wird er an Hochzeitspaare und für andere Feierlichkeiten vermietet. Die Resonanz ist echt krass. Auf Wunsch statten wir die Bar auch aus. Salzig oder süß – alles ist möglich. Selbst vegane Produkte“.

Retro Möbel

(c) Sandy Senft

Mal vom Laden leben?

Nee, das ist gar nicht unser Ziel“, erklärt Sandy. „Wir schauen jetzt erst mal, wie’s weiterläuft ohne Zwang und ohne Druck. Meine Vollzeitstelle konnte ich reduzieren, daher ist es momentan ganz gut zu schaffen. Bis mittags bin ich in der Firma, dann ist das Geschäft an der Reihe. Mit Sebastian geht es hinterher ab in den Stall. Wir müssen unsere Tiere ja auch noch versorgen“. „Wie jetzt Tiere?“, fällt mir der Kinnladen runter. Das süße Hundemäuschen „Kikki“ habe ich ja schon kennengelernt – aber wen gibt es denn noch? „Es gibt einen Esel, ein Pferd, zwei Ponys, drei Ziegen und die zwei Katzen nicht zu vergessen.“, lachen Sebastian und Sandy. „Hey Leute, das glaub ich jetzt nicht. Wo nehmt ihr bloß die Energie her“, frage ich. „Och, für Hobbys bleibt auch noch ein bissl Zeit“, bekomme ich zur Antwort, „wir sind halt ein gutes Team, der Basti und ich!“

Retro Möbel

Das Leben in Franken…

Die gebürtigen Franken mit Verwandtschaft aus der Oberpfalz!!! fühlen sich inmitten der kleinen Cafés und Secondhandläden des Gostenhofviertels wohl. „Es ist eine coole Gegend“, schwärmen sie, „außerdem ist Nürnberg eine schöne Stadt – nicht zu groß, nicht zu klein“. Einzig etwas mehr Toleranz wünschen sie sich für ihr Äußeres. Wenn nämlich im Sommer die Kleidung luftiger wird und die zahlreichen Tatoos hervor blitzen, wird es für das Paar ziemlich anstrengend in Nürnberg shoppen zu gehen. Obwohl Tätowierungen ja mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr sind, werden sie oft komisch beäugt. Da ist die Region schon sehr konservativ, finden sie.

Beide genießen ihren Laden mit den Retro Möbel, ihre Zweisamkeit und dass es läuft, wie es läuft. Das Lebensmotto von Sandy und Sebastian zeigt, wie sehr sie sich verbunden fühlen:

„Was ist heilig? Woraus besteht die Seele? Wofür leben wir und was ist es wert, dafür zu sterben? Die Antwort zu jeder Frage ist die Selbe. Nur Liebe.”
Johnny Depp

Solltet ihr zufälligerweise auf der Suche nach außergewöhnlichen Retro Möbel sein, dann schaut bei – Daisy van Ghosty – rein. Oder seid ihr vielleicht gerade dabei, klar Schiff bei euch daheim zu machen? Ehe es auf den Sperrmüll wandert, ruft die „Möbel-Retter“ Sandy und Sebastian an. Sie holen die Sachen mit ihrem Anhänger bei euch ab.

Kontakt: Daisy van Ghosty I Sandy Senft I Austraße 30 I 90429 Nürnberg I Tel. 0172 860 41 26

Auch auf Facebook sind die „Möbel-Retter“ zu finden. Schaut mal vorbei.

Retro Möbel

Ich habe mich unsterblich verliebt

Sechs Schnapsbecher haben es mir angetan. Mal ehrlich, sind die nicht wunderschön? Beim besten Willen, ich konnte sie einfach nicht stehen lassen… Jetzt haben sie bei uns einen Ehrenplatz. Bei der nächsten Feier werden wir sie gebührend einweihen…

Danke Sandy und Sebastian. Nicht nur euer Laden ist bunt – euer Leben ist mindestens ebenso bunt. Beneidenswert. Ihr seid so herrlich unkompliziert, erfrischend und spontan… bleibt so und lasst euch nicht verbiegen. Ihr zwei seid großartig!

Daisy van Ghosty

Daisy van Ghosty

Die Schätze, die es noch nicht bis in den Laden geschafft haben, müssen noch ein bissl im Keller verharren…

Daisy van Ghosty

Daisy van Ghosty

Daisy van Ghosty

Daisy van Ghosty

{Ich mache Werbung! Und das macht mir großen Spaß. Weil ich für die wohl schönste Region Deutschlands werbe – für Franken.

Fränkische Biergärten, Keller und seine urigen Wirtshäuser haben es mir angetan. Und die Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen. Sie erzählen, wie sie es schafften ihren Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Und nicht zu vergessen, die fränkische Literatur. Querbeet durch alle Genres.

Darüber schreibe ich aus Überzeugung. Unbezahlt. Was ich davon habe? Es macht mir riesigen Spaß, die wundervolle Region, in der ich glücklich bin, zu repräsentieren!}