Von einer Bierstadt zur anderen

Du bist doch ein Fahrradfreak, Schatz, hättest du nicht Lust, diesen Radwanderführer zu testen?“ Mit diesen Worten macht mich meine Liebste neugierig und drückt mir das Büchlein „Fahrrad fahren an Flüssen in Franken“ vom ars vivendi Verlag in die Hand. 

Radreisen in Franken

Fünf Autoren beschreiben darin 14 Genusstouren an 10 verschiedenen Flüssen in Franken. Eine Route fällt mir direkt ins Auge: „Entlang des Mains von Kulmbach nach Bamberg“ (Autor Veit Bronnenmeyer). Also quasi von einer Bierstadt zur anderen. Genau diesen Streckenabschnitt des Mains bin ich noch nicht mit dem Fahrrad gefahren. Die Mainroute von Wiesbaden bis Baunach kenne ich. Ich hatte sie vor einigen Jahren mit einem Freund zurückgelegt. Naja, und zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich noch nie in Kulmbach war. Ein Grund mehr für die Tour.

Franken Radreisen Kulmbach

An einem sonnigen Dienstag fahren wir mit dem Auto nach Kulmbach zum Marktplatz. Hier ist der Startpunkt der beschriebenen Strecke. Schnell mache ich ein paar Bilder vom schön gestalteten Karee und von der Plassenburg. Dann geht es los. Die Strecken hatte ich schon vorher auf das Garmin geladen, damit ich nicht an jeder Kreuzung im Buch nachsehen muss, wo es langgeht. Aus der Stadt heraus fahre ich an der Kulmbacher Großbrauerei vorbei und treffe schnell auf den Weißen Main (der Main hat zwei Quellflüsse – den Roten Main und den Weißen Main).

Radreisen in Franken: Plassenburg Kulmbach

Brauerei in Kulmbach
Radreisen In Franken macht Spaß

Ein schöner Baggersee, der allerdings in diesem Extremsommer von der Algenplage betroffen ist, liegt auf meinem Weg. Am Zusammenfluss vom Weißen- und Roten Main lerne ich einen Wanderer kennen, der mir seinen Rundweg beschreibt. Auch er ist in Kulmbach gestartet.

Badesee bei Auhof

Hinweisschild Mainzusammenfluss

Brücke am Mainzusammenfluss

An Mainleus vorbei, durch Schwarzach, Fassoldshof, Rothwind, Mainroth bis Mainklein. So geht es auf Baum besäumten Radwegen weiter bis ins Gewerbegebiet von Burkunstadt. Gelegenheit den einen und anderen Apfel zu pflücken. Dann weiter  nach Altenkunstadt und zum idyllischen Örtchen Strössendorf. Hier erwartet mich auf meiner Radreise die schmucke Kirche St. Katharina und das attraktive Schloß aus dem 12. Jahrhundert, direkt am Main gelegen. 

Schloss in Strössendorf Kirche in Strössendorf

Ein steiniger Weg durch den Wald nach Burgstall rüttelt mich ordentlich durch. Ein Glück, dass ich mit dem Mountainbike unterwegs bin. Durch Hochstadt über Schwürbitz, radle ich an einem großen Badesee vorbei. Er hat bei herrlichem Spätsommerwetter noch einige Schwimmer angelockt. Anschließend lädt in Michelau das Korbmuseum ein, die Tradition des Korbflechtens  kennenzulernen. Dieses Handwerk wird in der Region auch heute noch aktiv ausgeübt. Der alljährliche Korbmarkt in Lichtenfels zieht Tausende von Besuchern an. Im Zentrum von Lichtenfels bekomme ich Hunger und Durst. Ich gönne mir daher eine Pause mit Käsesahnetorte und fülle meinen Flüssigkeitsspeicher und die Trinkflasche auf.

Radreisen in Franken_Lichtenfels Marktplatz in Lichtenfels

Der Gottesgarten am Obermain

Im „Gottesgarten“ angekommen, passiere ich die Ortschaften Grundfeld und Niederau. Links am Berg begrüßt mich die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und von rechts oben schaut das Kloster Schloss Banz auf mich herab. Beides sind beeindruckende Bauwerke, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen Kloster Banz

Jetzt kann ich zur Linken den Staffelberg sehen. Ein felsiger Tafelberg, auf dessen Plateau das keltische Oppidum Menosgada der Sage nach lag. Die Adelgundis Kapelle, aus dem 17. Jahrhundert, die Staffelbergklause und ein phänomenaler Blick ins Maintal locken viele Wanderer auf den steilen Hausberg von Bad Staffelstein. Die Adam Riese Stadt passiere ich dann im Bereich des Kurviertels, dessen Architektur sich im Laufe der Jahre immer vornehmer entwickelte.

Der Staffelberg

Vorbei an den neuen Mainbrücken der ICE-Strecke nach Berlin, führt mein Weg jetzt Richtung Ebensfeld. Dort treffe ich auf den kleinen Sämann. 

ICE-Brücke nach Bad Staffelstein Der kleine Sämann in Ebensfeld

Jetzt erblicke ich den Ansberg (Veitsberg). An seinem markanten 200 Jahre alten Lindenkranz ist er schon von Weitem zu erkennen. Er diente ursprünglich als keltische Opferstätte. Heute „trauen“ sich in der romantischen St.-Veits-Kapelle junge Paare gern auf ihren gemeinsamen Lebensweg.

Blick auf den Veitsberg

Viele kleine Ortschaften entlang des Mains

Mittlerweile bin ich an den Örtchen Ober- und Unterbrunn vorbei gefahren. Am Mainufer begegnen mir Steinplastiken in einem Abstand von ca. 5 km. Auf den Tafeln, die an den Kunstwerken befestigt sind, kann ich nachlesen, welcher Künstler sie erschaffen hat.

Steinskulptur am Main Steinskulptur am Main

Nach Unterleiterbach geht es an Zapfendorf und an mehreren Baggerseen vorbei in Richtung Ebing. Beim Hundevereinshaus sitzen ein paar Leute vor der Tür, mit denen ich gleich ins Gespräch komme. Das kommt mir sehr gelegen, dabei kann ich nämlich einen kurzen Trinkstopp einlegen. Wir plaudern über gemeinsame Bekannte. Die Welt ist ein Dorf, stelle ich fest.

Mainfurt bei Ebing

Dann geht’s weiter nach Markt Rattelsdorf. Auf dem Radweg längs der B4 radle ich in Richtung Breitengüßbach, dort befinden sich wieder einige Baggerseen. An der Kirche vorbei führt mich die Route über einen Feldweg nach Kemmern. Dessen Bewohner tragen den Spitznamen „Kemmerä Kuckuck“ – den Grund dafür kenne ich nicht. Wisst ihr es vielleicht?

Marktplatz Markt Rattelsdorf Kirche in Breitengüßbach Brücke bei Kemmern

Der Endspurt nach Bamberg

Kurz hinter der Brücke fließt der Main jetzt ohne Stromschnellen in Richtung BambergMeine Radreise in Franken führt mich parallel zum Fluß nach Hallstadt. Dort verlasse ich die vorgegebene Route und fahre über das Hafengebiet in Richtung Bier- und Basketballstadt Bamberg. Dessen kompletter Innenstadtbereich gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Altes Rathaus Bamberg

Auf eine ausführlichere Beschreibung der wunderschönen Kulturstadt Bamberg verzichte ich. Einige Highlights will ich dennoch aufzählen. Hier sind meine Tipps für Bamberg:

Der Dom
Kloster St. Michael
Altes Rathaus
Neue Residenz
Villa Concordia
Böttingerhaus
Brauereigasthof Schlenkerla
Spezialkeller
Die Sandstraße

Neue Residenz Bamberg

Mir hat die Route sehr gut gefallen, obwohl es zugegebener Maßen ziemlich anstrengend war. Radeln und Fotografieren ist nun mal nicht so einfach. Am Ende waren es laut Navi immerhin etwa 85 km. Mein Tipp für Familien: Für diese Tour lieber kürzere Abschnitte wählen und dafür die Sehenswürdigkeiten ausgiebig genießen.

Villa Concordia Bamberg

Fahrrad fahren an Flüssen in Franken

Das Buch ist übersichtlich aufgebaut. Mir gefällt es, dass zu Beginn jeder Route die wichtigsten Informationen zu finden sind:
-Grober Streckenverlauf
-Länge
-Markierungen
-Einstiegspunkt
-Anreise
-Rückfahrt
-Übernachtungsorte
-Schwierigkeitsgrad
-Familientauglichkeit

Radreisen in Franken

Ganz wichtig auch, welches Wetter für die Fahrt geeignet ist. Es folgt eine detaillierte Streckenbeschreibung, einige Bilder und eine grobe Übersichtskarte. Interessante Highlights werden erwähnt und auf lohnende Abstecher hingewiesen. Radreisen in Franken soll ja schließlich Spaß machen. Am Ende der Tour-Beschreibung gibt es noch tolle Tipps für Museen, historische Gebäude, Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und Gaststätten. Fahrradgeschäfte wurden ebenfalls nicht vergessen – für den Fall der Fälle. Wer weiß, was unterwegs alles passiert.

Radreisen in Franken

Das klare Konzept des Buches und die vielen Details sind ein großes Plus. Was ich jedoch vermisse ist ein Navi taugliches Format der einzelnen Strecken zum Download. Das Buch würde dann von mir eine glatte Eins bekommen. Dennoch: Ich für meinen Teil liebäugle schon mit der nächsten Tour. Und ihr? Auch Lust auf’s Radreisen in Franken bekommen?

Fahrrad fahren in Franken

Fahrrad fahren an Flüssen in Franken
14 Genusstouren
Klappenbroschur, 200 Seiten
ISBN 978-3-86913-915-9
16,00 [D] • € 16,90 [A]

 

 

 

Ein herzliches Dankeschön geht an den ars vivendi verlag, der uns das Buch kostenlos zur Verfügung gestellt hat!