Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.
Euripides (480 – 407 v. Chr.), griech. Tragödiendichter 

Das sind die Worte eines klugen Mannes. Der Dramatiker Euripides, hat gewusst wovon er spricht. Mein Liebster und ich lassen die Gläser klingen. Mit einem Silvaner „Volkacher Ratsherr Spätlese 2015“ – vollmundig und schwer. Dabei lassen wir den Novembertag noch einmal Revue passieren. Es gibt viel zu erzählen. Wir hatten heute nämlich einen wunderschönen Tag im unterfränkischen Volkach am Main. Mit einer wundervollen Persönlichkeit…


Lothar Mayer

So, und jetzt ist der fränkische Bocksbeutel leer. Kein einziger Tropfen mehr… Überrascht schau ich meinen Liebsten an… Ja, gibt’s das? Über unseren Plaudereien haben wir doch völlig die Zeit vergessen.


Dem Leben eine neue Richtung geben…


Habt ihr nicht auch manchmal das Gefühl, da gibt es etwas, das würdet ihr viel lieber tun? Doch den Schritt zu wagen, das braucht sehr viel Mut. Dann ist diese Geschichte eure Geschichte. Auf der Suche nach außergewöhnlichen Menschen, habe ich Lothar Mayer kennengelernt. Ein in sich ruhender Mensch – widerspruchslos, offen. Ein erfolgreicher Unternehmer, der ausgestiegen ist, um nur noch die Dinge zu tun, die ihm sinnvoll und wichtig erschienen.

Lothar Mayer
Es ist kalt und diesig…


November halt. Doch dick eingemummelt macht mir das gar nix aus. Im Gegenteil. Ich mag den Geruch von nebelnassem Herbstlaub. Ein untrügliches Zeichen für die kalte Jahreszeit. Mein Liebster, das Hundemäuschen und ich laufen mit Lothar Mayer durch die Weinlage Volkacher Ratsherr. Hier hat der „Jungwinzer“ seinen Weinberg. Die Aussicht von hier oben auf den Main ist wunderschön. Stolz erzählt er uns, wie viel Freude ihm die Arbeit im Weinberg bereitet. Im hessischen Geisenheim und in Rust am Neusiedlersee in Österreich hat er seine Fachkenntnisse an den jeweiligen Weinakademien erworben.

Lothar Mayer

Mitten in der Weinlage Volkacher Ratsherr: Die Wallfahrtskapelle „Maria im Weingarten“

Der Teil des Weinbaus, den ich verantworte, der ist nicht kompliziert. Es ist alles Handarbeit“, erklärt er uns. Zur Weinlese beschäftigt Lothar Mayer Erntehelfer, ansonsten macht er die ganze Arbeit im Berg alleine. Das Besondere: Geld will er mit seinem Wein keines verdienen. „Der ist unverkäuflich. Ich käme mir komisch vor“, sagt er, „ich genieße ihn mit meiner Familie und mit lieben Freunden“.


Lothar Mayer

Die perfekte Lage…

und das nicht nur für den Wein. „Mein Weinberg liegt so ziemlich in der Mitte zwischen meinem Heimatort Wüstensachsen in der Rhön und meiner Wahlheimat Nürnberg. So kann ich, wenn ich Wüstensachsen besuche und dort übernachte, wunderbar in der Rhön fotografieren. Auf meinem Rückweg, morgens ganz früh, gibt es oft noch einen Zwischenstopp im westlichen Steigerwald – einem Schmetterlingsrefugium von europäischem Rang“, strahlt der passionierte Hobby-Entomologe.

Vom Steigerwald nach Volkach zu seinem Weinberg ist es dann nur noch ein Katzensprung. Nach getaner Arbeit setzt Lothar Mayer seine Reise fort, nach Nürnberg. Die geografisch gute Lage hat er sich zunutze gemacht, das eine mit dem anderen zu verbinden. Das ist gelungen.

Lothar Mayer

Mit 59 Jahren ein neues Leben

So, jetzt aber mal von Anfang an: „Was treibt einen um, einem erfolgreichen Unternehmen den Rücken zu kehren, um sich bei Wind und Wetter in einen Weinberg zu stellen?“, will ich wissen. „Das hat mehrere Gründe“, beginnt Lothar Mayer. „Natürlich habe ich schon immer Wein lieber getrunken als Bier, aber dann habe ich irgendwann begriffen, dass Wein mehr ist als ein Getränk. Wein ist Kultur. Und ein Weinberg erdet. Dazu kam, dass ich mein Leben anders gestalten wollte. Diese Pläne wollte ich ja eigentlich schon mit 55 Jahren umsetzen. Denn 80 Stunden in der Woche arbeiten, ohne Urlaub, das wollte ich nicht mehr“, erinnert er sich. Die Familie, die ihn in den Jahren zuvor kaum gesehen hat, sollte nun den Vorrang haben.

Lothar Mayer

Aber ihm kamen Zweifel. Denn es fühlte sich irgendwie noch nicht richtig an. „Wer“, habe ich mich gefragt, „wäre das denn, der da mit 55 zu Hause bliebe? Das ist ja gar kein richtiger Mensch… Aber… ein richtiger Mensch, das ist doch nur einer, der auch anderes tut, als von einem Flugzeug ins andere steigt, aus einer Sitzung in die nächste geht und der ständig nur arbeitet…“, so schildert er seine Zerrissenheit damals. Kurz – Lothar Mayer war sich seiner selbst in diesem Moment gar nicht mehr so sicher. Vier Jahre hat es dann noch gedauert, bis er einige Prioritäten verschoben und sich letztendlich doch durchgerungen hatte, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen.

Lothar Mayer

Ein langer Prozess…

Mit 59 Jahren zieht sich Lothar Mayer aus seiner Elektrotechnikfirma zurück. Wobei er als Inhaber immer noch in die Entscheidungsprozesse eingebunden ist. Doch zu spüren, dass irgendwie alles ein ganzes Stück an einem vorbeiläuft, das war für Lothar Mayer anfangs schon hart. Jeden Tag neu wahrnehmen, ungewohnten Abläufen Gestalt verleihen – eine Herausforderung. Bis er dann schließlich seine Nischen gefunden hatte. „Der Rückzug aus meiner Firma hat allen etwas gebracht – und mir am meisten“, sagt er mit fester Stimme.

Jetzt ist er Winzer, Schriftsteller, Landschaftsfotograf, Hobby-Entomologe, Hospizhelfer und er spielt Querflöte in einem Wiedereinsteigerorchester. Sein Bekenntnis: „Musik ist etwas, was wirklich großartig ist. Schade, dass ich so spät damit begonnen habe“.


Lothar Mayer

Die Mainschleife bei Volkach

Die Freiheit genießen…

Ich genieße an meinem Leben die Freiheit. Dass ich gesund bin, das genieße ich aber am allermeisten. Ich will ein möglichst bescheidenes Leben führen. Und die Option zu haben, es mir so aussuchen zu können, wie ich es haben will, das passt gut. Damit bin ich sehr zufrieden. Den gleichen Weg würde ich auf jeden Fall noch mal wählen“. 

Also, ich finde das ziemlich mutig. Sich mit fast 60 Jahren aus dem „Hamsterrad“ zu befreien. Runter von der Überholspur und etwas Neues wagen… Das fasziniert mich! Und da lagen ja noch seine Foto-Projekte in der Schublade, die nur darauf warteten herausgeholt zu werden. Die „Jüdischen Friedhöfe“, „Heimat Rhön“ und „Gardasee“… Lothar Mayer lebt jedes seiner Projekte sehr intensiv. Und er genießt es. Seine Vielseitigkeit überrascht mich. Er erzählt, und ich könnte ihm stundenlang zuhören…

Lothar Mayer

Fränkische Judenfriedhöfe

Der Wahlfranke Lothar Mayer und seine Frau stammen aus demselben Dorf, in der hessischen Rhön. Wüstensachsen. Dort gab es die größte jüdische Gemeinde in der ganzen Rhön. Die Großeltern von Lothar Mayer standen im Dienst einer jüdischen Familie. Als die Verhältnisse durch das NS-Regime in Deutschland kritisch wurden, wanderte die Familie 1936/37 nach Amerika aus. Die beiden Söhne, damals noch Kinder, konnten nicht gleich mit. Sie wurden von Lothar Mayers Großeltern versorgt, bis sie nachreisen konnten.


Lothar Mayer

Auf diese Weise blieb die Beziehung beider Familien sehr eng. „Ich habe schon ziemlich früh damit begonnen mich mit der jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen. Und habe angefangen jüdische Friedhöfe zu fotografieren“. Alle Friedhöfe hat Lothar Mayer mehrmals besucht. Die wechselnden Tages- und Jahreszeiten sollten bei der bildlichen Gestaltung des Buches eine Rolle spielen. So kam im Laufe der Jahrzehnte eine stattliche Sammlung an Fotografien zusammen. Daraus entstanden zwei wunderbare Bücher: „Jüdische Friedhöfe in Unterfranken“ und „Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken“…


Lothar Mayer

Aus „Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken“

„Die Heimat Rhön“

Für sein erstes Buch „Die Heimat Rhön“ hat Lothar Mayer über 30 Jahre lang Bildmaterial gesammelt. Ich kann nur sagen: Die Bilder sind wunderschön. Sie machen neugierig auf mehr. Wer die Rhön noch nicht kennt, wird nach der Lektüre des Buches ganz sicher einen Ausflug dorthin planen. Ich habe zu Hause, also in der Rhön, schon immer fotografiert, aber man kapiert ja erst was man hat, wenn man es nicht mehr hat. Als es mir so richtig bewusst geworden ist, was Heimat eigentlich bedeutet, da habe ich mich an dieses Buch gewagt“. „In Franken fühle ich mich richtig wohl – aber Heimat ist halt doch etwas anderes.

Die Rhön ist eines der bezauberndsten Mittelgebirge die es gibt“, schwärmt Lothar Mayer. „Für optimale Aufnahmen habe ich es sogar auf mich genommen, Kuhlen zu buddeln, in die ich mich dann reinlegen konnte“.


Lothar Mayer

Die erste Auflage von „Die Heimat Rhön“ erschien bereits im Jahr 2004. Eine verbesserte und auch erweiterte Auflage dann im Jahr 2008. Ich staune – denn zu dieser Zeit stand der Autor noch mittendrin im Arbeitsleben…

Lothar Mayer
Lothar Mayer – ein faszinierender Mensch…

Seine Bücher will ich gar nicht mehr aus der Hand legen. Was mich am meisten daran begeistert, ist die Stimmung und das Licht seiner Bilder. Selten habe ich eine solche Intensität erlebt. Fast ist es wie eine Explosion…

Lothar Mayer

Aus „Gardasee – Natur- und Kulturhistorische Ausflüge“ von Lothar Mayer

Dennoch: In einer anderen Region Deutschlands zu leben, das kann sich der gebürtige Hesse und Wahlfranke Lothar Mayer nicht vorstellen. Dafür schätzt er die fränkische Lebensart zu sehr. „Selbst in meiner Heimat, der Röhn, nahe der fränkischen Grenze, waren wir immer ein wenig von den Franken dominiert“, gesteht er schmunzelnd.

Lothar Mayer Gardasee

Aus „Gardasee – Natur- und Kulturhistorische Ausflüge“ von Lothar Mayer

Lieber Herr Mayer, haben Sie herzlichen Dank für diesen wunderbaren Tag! Es war uns ein Vergnügen für ein paar Stunden an Ihrem Leben teilhaben zu dürfen. Ich werde diesen Tag so schnell nicht vergessen… Und eins noch: Ich habe begriffen, dass die Gestaltung für unser Leben allein in unseren Händen, in unserer Verantwortung liegt. Sie leben es…

Lothar Mayer

Ein Admiral in seinem schönsten Kleid. In Lothar Mayers Bildbänden kommt seine Leidenschaft, die Entomologie (Insektenkunde) nicht zu kurz…
(Aus „Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken“).

******Das Gewinnspiel ist beendet ******
Genießt ihr auch gerne ein Gläschen Wein?

Dann aufgepasst: Ihr könnt einen fränkischen Bocksbeutel „Volkacher Ratsherr Silvaner Spätlese 2016“ vom Winzer Lothar Mayer gewinnen.

  • Macht mit und hinterlasst einen kurzen Kommentar, mit wem ihr den edlen Tropfen genießen wollt.

  • Das Gewinnspiel läuft ab Dienstag, 12.12.17 und endet am 14.12.17 um 23.59 Uhr.

  • Die Auslosung findet am 15.12.17 statt; es entscheidet das Los.

  • Es gibt eine Flasche „Volkacher Ratsherr Silvaner Spätlese“ zu gewinnen.
Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt; ich verschicke die Flasche Wein per Post.

  • Bitte beachten: Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

So, und jetzt ganz fix schreiben, wen ihr auf ein Gläschen Wein einladen wollt. Ich drücke euch ganz fest die Daumen!

Lothar Mayer

Heimat Rhön (2. Auflage)
Naturhistorische Wanderbilder aus der Hohen Rhön
Lothar Mayer
24 x 24 cm, 245 Seiten, 260 Farbabbildungen,
Hardcover
ISBN: 978-3-7900-0364-2
Euro (D) 22,80

Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken
Lothar Mayer
25 x 22 cm, 240 Seiten, 260 Farbabbildungen,
Hardcover
ISBN: 978-3-86568-572-8
Euro (D) 19,95


Jüdische Friedhöfe in Unterfranken
Lothar Mayer
22 x 25 cm, 213 Seiten, 229 Farbabbildungen und Karten,

Hardcover
ISBN 978-3-86568-071-6
Euro (D) 19,95

Gardasee
Natur- und kulturhistorische Ausflüge (2.Auflage)
Lothar Mayer
24 x 29 cm, 352 Seiten, 338 Farbabbildungen, 14 Karten,
Hardcover
ISBN 978-3-7319-0191-4
Euro (D) 27,95

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