DIE sind etwas ganz Besonderes…

Und es gibt sie nur zu ganz besonderen Anlässen. Sie schmecken fantastisch und jeder Franke kennt sie: „Gschniddna Hosn“. Ein fränkisches Traditionsgebäck. Nur, warum sie „Gschniddna Hosn“ heißen, das weiß ich nicht. Dafür konnte ich keine Erklärung finden – keine logische jedenfalls. Es hat nix mit zerschnittenen Hosen oder Hasen oder dergleichen zu tun. Da kann man nur spekulieren. Aber vielleicht wisst ihr es ja. Dann schreibt mir doch…

Fränkisches Traditonsgebäck

Doch heute wird weder spekuliert noch philosophiert, heute wird gebacken. In Franken ist es Brauch zu Festen wie Hochzeiten oder Kommunion die Verwandtschaft, Nachbarschaft und gute Freunde mit „Gschniddna Hosn“ zu verwöhnen. An Geburtstagen wird das süße Mürbeteiggebäck den Gratulanten offeriert. Hei, kannst du dir vorstellen, wie viele dieser leckeren Teile da im Fett ausgebacken werden müssen? So ein Aufwand! Schon der Gedanke daran macht mich schwindelig. Mit Backen und Kochen kannst du mich jagen. Kilometerweit…

Fränkisches Traditionsgebäck

Doch die Herstellung des seltsam aussehenden Gebäcks hat mich neugierig gemacht. Und wie es der Zufall will, hat mich meine liebe Nachbarin Biggi eingeladen, sie und ihre Mama Anne beim Backen awengla zu unterstützen. „Yippieee!, wie cool ist das denn?“ Fränkisches Traditionsgebäck! Na, da sag ich doch nicht nein, gell. Gemeinsam mit Anne und Biggi in der Küche rumwurschdeln, das muss man mir nicht zweimal sagen.

Der Teig ist vorbereitet…

Fränkisches Traditionsgebäck

Anne war fleißig. Als ich mit Biggi bei ihr eintreffe ist der Teig schon fertig. Also gut, dann nix wie ran. Teigklumpen für Teigklumpen rollen wir dünn mit dem Nudelholz aus. Dann „radeln“ wir was das Zeugs hält. Aus dem flachen Teig entstehen gleich große Vierecke. Ich sag’s euch, das macht Spaß. Also ich hab ja keine Ahnung von so was, aber der Teig fühlt sich herrlich geschmeidig an. Er lässt sich wunderbar ausrollen.

Fränkisches Traditionsgebäck

Dünn ausrollen, aber nicht zu dünn – das ist das Geheimnis. Und das ist nicht einfach…

Fränkisches Traditionsgebäck

…dann die Teile gleichmäßig ausradeln…

Trotzdem, ein Spaziergang ist das nicht. Ich muss schon drauf achten, immer wieder zu „mehlen“, weil der Teig sonst am Nudelholz oder auf der Arbeitsfläche hängen bleibt. Biggi und Anne sind ein eingespieltes Team. Mensch, bei den beiden sieht das vielleicht mal spielend leicht aus. Ich dagegen tu mich schwer… Aber aufgeben? Ich? Nein. Auf keinen Fall…

Fränkisches Traditionsgebäck

Nachdem der Teig verarbeitet ist, schnappen wir uns die Bretter, auf denen die Teiggitter in einzelnen Lagen aufgeschichtet sind. Damit ziehen wir ins Gartenhäuschen um. Dort steht auf einer Kochplatte ein Topf mit sprudelndheißem Fett.

Fränkisches Traditionsgebäck

Darin werden wir den Teig ausbacken… So und jetzt wollt ihr wahrscheinlich wissen, weshalb wir das nicht in der Küche machen… Ganz einfach. Der Fettdunst, der beim Ausbacken des Teiges entsteht ist so intensiv, da müsste die Küche von oben bis unten abgewaschen und sogar die Gardinen müssten in die Waschmaschine gesteckt werden. Ja, wer will das schon…

Fränkisches Traditionsgebäck

Fachfrauen unter sich…

Jeder hat seine Aufgabe…

Was jetzt kommt hört sich ziemlich kompliziert an – doch nach zwei bis drei Versuchen geht es ganz einfach von der Hand. Also: Bevor die Teigteile im heißen Fett verschwinden, werden sie wie beim Häkeln miteinander verschlungen. Uiuiui. Wenn du da nicht aufpasst, dann hast du gleich mehrere Teile in der Hand. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Da hab ich doch gedacht, das Ausrollen wäre eine Herausforderung. Ja, Pustekuchen… Aber endlich, ich hab’s geschafft, der Teig ist „verhäkelt“. So, jetzt schnell rein ins Fett. Da bleiben sie drin, bis sie eine goldgelbe oder zartbraune Farbe angenommen haben. Je nachdem, wie man sie am liebsten mag.

Zum Abkühlen kommen die lecker duftenden Teile auf ein Kuchengitter. Noch warm wird dann das sehr zerbrechliche Gebäck in einem Gemisch aus Zucker, Zimt und Vanille ganz vorsichtig gewälzt. Und fertig ist ein fränkisches Traditionsgebäck. So geht es weiter bis das letzte Teigstück ausgebacken ist.

Woaaah… das schmeckt. Das Gebäck ist so zart, dass es fast auf der Zunge zergeht! So lecker! Und ich kann es kaum glauben – ich durfte mithelfen. Mann, bin ich stolz.

Fränkisches Traditionsgebäck
Gschniddna Hosn – Ein fränkisches Traditionsgebäck

Das Rezept zum Nachbacken:

500 g Butter
4 Eier
2 Pfund Mehl
2 Eßl. Zucker
2 Becher Schmand
Backpulver
Arak

Mein Tipp: Bleibt nicht allein. Organisiert ein paar Freundinnen, dann macht das Backen richtig Spaß! Also ich bin so begeistert, ich freue mich schon auf’s nächste Mal mit Anne und Biggi…