Fränkische Weihnachtsgeschichten

Wann kommt ihr so richtig in Weihnachtsstimmung?  Und was verbindet ihr mit fränkischer Weihnacht? Also für mich sind es fränkische Weihnachtsgeschichten und Gedichte von Wilhelm Wolpert.  Weihnachtszeit ist Vorlesezeit. Bei uns gehört es an den Feiertagen einfach dazu, gemeinsam aus seinen Büchern zu lesen. Da wird viel geschmunzelt, aber auch lauthals gelacht. Ihr glaubt ja nicht wie lustig es ist, als echte Franken fränkisch zu lesen.

Fränkische Weihnachtsgeschichten

Sind wir doch mal ehrlich. Weihnachten ohne Zwischenfälle gibt es nicht. Geschenke kommen nicht rechtzeitig an, die Christbaumbeleuchtung brennt nur halb, die bucklige Verwandtschaft steht unangekündigt vor der Tür…  Genau von diesen und anderen Schlamasseln erzählt Wilhelm Wolpert mit viel Herzblut in seinen fränkischen Weihnachtsgeschichten. Ich bin mir sicher einige werden euch sicher bekannt vorkommen.

Habt ihr schon einmal einen Christstollen per Eilpaket versandt? Einen amerikanischen Soldaten zu euch in die Familie zum Heiligen Abend eingeladen? Könnt ihr euch vorstellen, wie der Heilige Nikolaus von Kampfhunden attackiert wird? Ein Heimleiter mit den Senioren ein Krippenspiel einstudiert? Oder vielleicht, wie man sich an einer zähen Weihnachtsgans einen neuen Stiftzahn ausbeißt…? Wie ihr seht, finden auch kuriose Geschichten in seinen Büchern genügend Platz.

Fränkische Weihnachtsgeschichten – Kostprobe

„Was Wista Denn?“

„Ich will“, secht die Fraa zu ihrn Mo leicht gekränkt,
“Net alla Jahr, äwas Praktisches gschenkt.
Nix für mei Auto, nix zum Kochng und Putzen, nix zum Anziehn
und nix zum Benutzen. Nix zum Essn und Trinkng und auch nix, was ich
immer und sowieso brauch. Nix, für die Gsundheit,
kee Geld und kee Silber und aa kee Kosmetik, die käff ich mer selber.”
An Weihnacht’n guckt sa, was sa wohl kriecht;
Au weh, da mecht sa ä langes Gesicht.
Ä Kanarienvögela, und es singt gar net schlecht.
Jetzt hatsa än Vogel, aber des iss aa wieder net recht.

Wilhelm Wolpert aus dem Buch ‘Liebes Christkindla.  Weihnachtliche Geschichten und Gedichte aus Franken’. Seite 32

Alle Jahre wieder

‘Der Verwandtschaftsbesuch’

„Wemmer ner net himüssertn zu deiner Schwester, zu dera dumma Gans!
Die will uns doch bloß ihrn Christbaam zeig und vo Advent noch ihrn Kranz,
ihr teuera Gschenke und ihr übersauber geputztes Zimmer.
Und dann müss mer aa noch ihr alta Plätzli ess! Es wird alla Jahr schlimmer.
Und lach tut sa aa immer so! Es wird immer ärger mit dera Fraa.
Soll ich dir ämal äwas sag? Am liebsten bleibert ich an Weihnachtn da.
Ihr verzochena Kinner muss mer dann aa noch lob, mer derf net läster.
Fraa, müss mer denn wirklich hi zu deiner blödn Schwester?”

“Na ja”, secht die Fraa, “sie hat halt gsacht: “Ihr könnt kumm.
Ich mach was Guts zu essn – aber ich reiß mich fei net drum.”
Fast hab ich aus ihre Worte raus ghört, sie fräert sich sogar,
wenn mir ämal ausnahmsweis net kummertn in dem Jahr.”

“Was? Die fräät sich, wemmer net kumma? Ja, spinnt denn die?
Also, wenn des so iss, dann gehen mir auf jeden Fall hi!”

Wilhelm Wolpert aus dem Weihnachts-Buch „Heuer schenk mer uns ämal nix”. Seite 32

Weihnachtszeit – Vorlesezeit

Vorlesezeit

‘Jetzt wird´s aber Zeit’ Mundartliche Geschichten und Gedichte zur fränkischen Weihnacht

ISBN: 9783940168665 vmn Naumann, Verlag M. gebunden – 79 Seiten
12 €

‘Liebes Christkindla…’ Weihnachtliche Geschichten und Lieder aus Franken
ISBN: 9783943206296 vmn Naumann, Verlag M. gebunden – 79 Seiten
10 €

‘Heuer schenk mer uns ämal nix’ Hoffentlich halten sa sich alla dran, die Schlawiner!
ISBN: 9783940168801 vmn Naumann, Verlag M. gebunden – 79 Seiten
13 €

Wer die Wahl hat,  hat die Qual! Denn Frohsinn, Spaß und Heiterkeit sind bei allen Büchern von Wilhelm Wolpert vorprogrammiert!

Wilhelm Wolpert

 

Wilhelm Wolpert, Autor für ostunterfränkische Mundart, ist sein Leben lang ein Haßfurter und Unterfranke aus Leidenschaft. Seit vielen Jahren textet, komponiert und singt er. Unter anderem auch für bunte Abende und Faschingsveranstaltungen.

2007 wurde er mit dem Frankenwürfel (unter Kennern auch der “Fränkische Nobel-Preis”) ausgezeichnet.

 

 

 

Ich wünsche euch fröhliche, fränkische Weihnachten mit wenigen Pannen, aber dafür vielen Überraschungen!

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