Daran beisse ich mir noch die Zähne aus

Das köstliche Essen, die Wirtshauskultur, der Dialekt, ach, die ganze fränkische Lebensart – ich liebe es. Aber eins will sich mir nicht erschließen: Die fränkische Uhrzeit! Glaub mir, da gibt es keine Logik, selbst um die Ecke denken bringt dich nicht weiter. Vielleicht ein Ausschlussverfahren? Vergiss es.

Neulich habe ich mich mit meiner lieben Nachbarin zu einer Veranstaltung verabredet. Beginn 19 Uhr. „Wann wollen wir losfahren?“, frag ich. „Ja, ich död soagn so viertelsiebna“. Direkt fängt es an bei mir zu rattern. Hach, was ist jetzt viertelsiebna? Schnell überlegen: „Ja, prima“, strahle ich nach einem Moment übers ganze Gesicht, „viertel nach sechs, das passt wunderbar“. Mal Hand auf’s Herz – hättest du das gewusst?

Verstehst du jetzt die Problematik?

Viertel, halb und dreiviertel – das ist klar. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, eine Steigerung geht immer. Bei einem Grillabend frage ich nach der Uhrzeit. Fünfvordreiviertelneuna“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Buff. Was ist jetzt das? Hilfe! Ich wollte doch nur wissen wie spät es ist. Tja, da hilft nix, auch wenn es mir megapeinlich ist, ich muss nachfragen… „Ach so, zwanzigvorneun – also 20.40 Uhr. Nee, ist klar. Danke!“

Wie wärs denn damit: fünfnachdreiviertelsechsa oder fünfnachviertelfünfa? Hey, und das hier hört sich auch voll cool an: nachds um achda. Verrückt oder? Ich liebe es.

Nachvollziehen kann ich es trotzdem nicht…

Mich wundert’s, dass der Franke so viel Mühe darauf verwendet, die Uhrzeit derart komplex zu bestimmen. Normalerweise spart er pedantisch alle Wortendungen ein. Sogar mit einzelnen Buchstaben wird gegeizt, wo es nur geht. Kurz und bündig – so ist es typisch für den Franken. Doch bei der Uhrzeit gilt diese Regel offenbar nicht. Voll schräg, oder?

Tja, ein Franke lässt sich eben nicht logisch erklären. Ich weiß es genau, denn ich lebe mit diesem Phänomen Seite an Seite unter einem Dach!