Fränkisch für Fortgeschrittene

Wir genießen nochmal einen wunderschönen Spätsommertag im Garten. Diese Tage hatten heuer ja eher Seltenheitswert, denn das Wetter spielte nicht immer so recht mit. Ach ja, und so manch andere Person eben auch nicht: Die Oma! Boah… ist die vielleicht mal wieder schräg drauf. Weiß alles besser. Ist nur am Meckern. Es ist nämlich so: Der Lieblingsfranke steht im Garten am Grill und grillt fachmännisch Wöschdla und Grillfackeln. Und die Oma sitzt ihm regelrecht im Nacken. Fuchtelt wild mit dem Zeigefinger rum und belehrt ihn dabei besserwisserisch, was er wie tun muss. Mit einer Ausdauer, die mich schwindelig macht.

Dann kippt die Stimmung. Der Lieblingsfranke, den ich nur tiefenentspannt kenne, ist jetzt richtig sauer: „Wenn du maanst, ich kann nedd grilln, do brauchsd von deena Wöschd a nix zu essn. Am besten, du fährst direkt naa die Wöschdlesbuden und kaafst der dord dei Brodwöschd“. Woohooo… das sitzt. Die Oma ist ausgeladen!

Jetzt ist die Oma voll in Rage

„Jo Dunnerwedder… mit der Goschn imma vornadroa, gell!“, schnaubt sie giftig zurück. „Do hodder grood drei Hoar am Kinn, aawa maana es wär a Gasnbebbes… des sä ma fei die Liebsdn!“ Dabei stapft sie so zornig mit dem Fuß auf, dass ich erschrocken zusammenzucke und… weg ist sie. Mit hochrotem Kopf, ruckzuck um die Ecke verschwunden.

Uiuiui… das hätt‘ ich ihr nicht zugetraut, der Oma. Der Urfränkin. Sie ist ja sehr direkt. Aber so dermaßen aufgebracht hab ich sie noch nie erlebt. Und jetzt? Ja, nix. Weil, genau so schnell wie sie ums Eck gerannt ist, wird sie wieder zurückkommen. Alles gut.

Fränkisch für Fortgeschrittene

Nur, was hat sie da rumkrakeelt? Gasnbebbes… was soll das sein? Ich hab keinen blassen Schimmer! Ja, das muss man sich mal vorstellen. Da hat man den herrlichsten Streit direkt vor seiner Nase und versteht davon nur die Hälfte. Ist doch doof, oder? Die Siebngscheida, die könnte mich aufklären. Will sie aber nicht. Jetzt zickt die kleine Klugscheißerin auch noch rum. Und der Lieblingsfranke? Ist nicht zu sprechen. Ist ganz intensiv mit Grillen beschäftigt. Und genau deshalb besorge ich mir ein fränkisches Wörterbuch. Gleich Morgen. Fränkisch für Fortgeschrittene. Jawoll. Da kann ich dann einfach alles nachlesen – quasi ganz in Ruhe, ohne die Querulantin.

Gasnbebbes’?! Jetzt lebe ich schon seit neun Jahren in Franken. Doch mit dem eigenwilligen Dialekt hab ich immer noch so meine Probleme. Aber hey, wer hat mir dann doch noch auf die Sprünge geholfen? Genau! Die Oma, die Siebngscheida und der Lieblingsfranke. Bei Wöschdla, Grillfackeln und Bier. Ich sags ja, alles gut!

Also, es ist ganz einfach: Ein Gasnbebbes ist ein Ziegenbart und ist in diesem Fall eine Metapher. Damit wollte die Oma dem Lieblingsfranken lediglich sagen, dass er seine Fähigkeiten völlig überschätzt und einfach nur null Ahnung vom Grillen hat. Tse, die Oma… Frechheit!

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