„Frau Meeeeinfraaaankenbluuues…!“ Oha, die Oma. Wenn die nach mir ruft, das verheißt nix Gutes… Ach, Goddala, naaa!“, steht sie völlig außer sich vor mir, „wast du, wo mei Schäbberla scho widda is, des wo ich imma zum Kocha nemm?“ Ahnungslos zucke ich mit den Schultern. Tse, woher soll denn ausgerechnet ich das wissen. Ich weiß ja nicht mal, was das ist. Also, dieser fränkische Dialekt bringt mich noch um den Verstand. Echt! Im Übrigen: Die Küche ist doch schon längst ihr Revier. (Worüber ich ehrlich gesagt auch nicht gerade unglücklich bin. Die Oma kocht nämlich exzellent). Whoaaa… aber den neutralen Blick, den sie mir gerade zuwirft, den müsstest du gesehen haben. Ungelogen, es würde dir kalte Schauer den Rücken rauf und runter jagen.

Aber es wird noch besser…

„Jetzt muss ich aach noch nüber zu dera Gmoabaadschn und mir a Schäbberla leiha“, zetert sie rum. „Heiligsnaaa…!“, entfährt ihr urplötzlich ein Schrei, „wo ist denn jetzt bloß mei Houderla?“. So, ich bin dann mal raus. Endgültig! Jetzt steh‘ ich nämlich vollends auf dem Schlauch. Die Siebngscheida ist auf ihrem Zimmer. Die kann ich nicht fragen. Vermutlich steckt ihre Nase wieder so tief in einem Buch, dass sie alles um sich rum vergessen hat. Ja, und mich übersieht die Oma geflissentlich. Wütend schnappt sie sich ihren Mantel und rauscht zur Türe raus. Lässt mich einfach sprachlos stehen…

Mein fränkisches Wörterbuch hat wohl ein paar Lücken, denn was ein Schäbberla, Gmoabaadschn und Houderla ist, das steht da nicht drin. Es ist doch zum Haareraufen…

Weißt du vielleicht, was die Oma sucht und nicht findet? Schreib mir, ich freue mich drauf.

Der fränkische Dialekt – Die Lösung:

In Gerach/Oberfranken (fast Unterfranken), da ist ein kleines Schüsselchen a „Schäbberla“. In Kronach/Oberfranken, ist ein Kopftuch a „Houderla“ und wenn man im Altmühltal/Mittelfranken von einer Dorftratsche bzw. vom Gemeinderatschweib spricht, dann ist das die „Gmoabaadschn“.

Ihr merkt es, die Oma ist eine weitgereiste Frau. Sie ist überall in Franken rum gekommen. Viele Begriffe, die sie dabei aufgeschnappt hat, hat sie sich angeeignet. Denn das ist eine Besonderheit der fränkischen Mundart. Nicht nur einzelne Regionen Frankens heben sich durch unterschiedliche Dialekte ab, nein, fast jedes Dorf hat seine eigenen Wortschöpfungen.

So. Und, wie bitte schön, frag ich dich, soll es mir Reigschlaafda da überhaupt möglich sein, das eine vom anderen zu unterscheiden?

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